Veranstaltungs-Archiv

Literaturhaus Hannover
24.11.16 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Klartext: Oskar Negt

„Überlebensglück. Eine autobiographische Spurensuche“

Oskar Negt hat Glück gehabt. Als jüngstes von sieben Kindern auf einem ostpreußischen Kleinbauernhof ohne Bildungsgüter aufgewachsen, wurde er zum Repräsentanten der Frankfurter Schule, zum anerkannten, in der ganzen Welt geehrten Philosophen und Soziologieprofessor. Doch seine Kindheit und Jugend war auch von schmerzhaften Erfahrungen geprägt, von der Flucht mit zwei halbwüchsigen Schwestern nach Königsberg und dann Dänemark, wo er jahrelang in Internierungslagern lebte, bis die Familie wieder zusammenfand.

Negt nimmt seine individuelle Geschichte zum Anlass, grundsätzliche Fragen zu stellen: über das autobiografische Schreiben, über gesellschaftliche Orientierung und persönliche Identität. Er ergründet, was nötig ist, damit ungünstige Ausgangsbedingungen und traumatische Erfahrungen keinen lebenslangen Opferstatus fixieren – wie also trotz Fluchterfahrung das zu erreichen wäre, was man ein gelungenes Leben nennt. Seine autobiografische Spurensuche weist damit weit über das eigene Schicksal hinaus.

Mit Stephan Lohr spricht Oskar Negt über seine Biografie, über Flucht und Neuorientierung; Schauspieler Moritz Dürr liest Textpassagen aus dem Buch.

Oskar Negt, geb. 1934, studierte bei Max Horkheimer, promovierte bei Theodor W. Adorno in Philosophie und legte zusätzlich sein Soziologie-Diplom ab. 1962 bis 1970 arbeitete er als Assistent von Jürgen Habermas. Bis 2002 war Negt Professor für Soziologie in Hannover. Für sein politisches Engagement wurde er mit dem August-Bebel-Preis geehrt. Im Steidl Verlag erschien 2016 seine zwanzigbändige Werkausgabe.

Stephan Lohr, geb. 1950, war Redakteur beim NDR-Hörfunk, wo er viele Jahre die Abteilung Kulturmagazine leitete und von 2008 bis 2014 die Literaturredaktion von NDR Kultur.

Moritz Dürr
, geb. 1957, hatte nach seinem Schauspielstudium an der HdK in Berlin Engagements in Graz, Salzburg, Zürich, Düsseldorf und Hannover und ging zudem Lehrtätigkeiten an der Folkwang-Hochschule in Essen und an der HMTMH in Hannover nach. Seit 2010 gehört er zum Ensemble des Staatstheaters Braunschweig.

Eintritt: 10,- / erm. 6,- Euro