Veranstaltungen

Literaturhaus Hannover
11.04.19 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Resonanzen: Feridun Zaimoglu & Rolf Pohl

"Die Geschichte der Frau"

Feridun Zaimoglu © dpa

Rolf Pohl © Isabelle Hannemann

Moderation: Martina Sulner

Unsere Geschichte und auch unsere Mythen und Sagen sind von männlichen Erzählern und Protagonisten bestimmt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Mühsam suchten oft belächelte Feministinnen nach Spuren weiblicher Heroen. Wäre es da nicht besser, man schriebe diese Geschichten einfach neu?

Feridun Zaimoglus neues Buch ist ein unverfrorenes Bekenntnis zur Notwendigkeit einer neuen Menschheitserzählung aus der Sicht der Frau. Er erzählt also eine im Wortsinn unerhörte Geschichte. Zehn außerordentliche Frauen kommen zur Sprache. Dabei gelingt ihm ein regelrechtes Wunder: Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Tabula Rasa!

Bei uns trifft Feridun Zaimoglu auf Rolf Pohl. Auch der hannoversche Sozialpsychologe und Geschlechterforscher hat sich mit gesellschaftlich konstruierten, heteronormative-männlichen Vormachtstellungen auseinandergesetzt und untersucht, wie sich diese auf unsere aktuellen Rollenbilder auswirken. Nicht die Männlichkeit ist in der Krise, sondern Männlichkeit an sich ist ein Krisenmodell, sagt Rolf Pohl. Seine erschreckend gültige Studie Feindbild Frau von 2004 wird aktuell neu aufgelegt.

Mit Martina Sulner sprechen die Feministen Zaimoglu und Pohl u. a. über männliche Deutungshoheiten und welche Wirkung sie bis heute zeigen.

Feridun Zaimoglu, geboren 1964, gilt als einer der führenden deutschsprachigen Romanciers; u.a Liebesbrand (2008), Siebentürmeviertel (2015), Evangelio (2017), ist Theaterautor und Bildender Künstler. Zuletzt wurde er mit dem Berliner Literaturpreis 2016 und der Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Rolf Pohl, geboren 1951, ist seit 2001 Professor für Sozialpsychologie an der hannoverschen Leibniz Universität. Er veröffentlichte Monografien und zahlreiche Artikel zur Geschlechterforschung und zum Themenkomplex männliche Sexualität.

Martina Sulner, geb. 1961, ist Literaturwissenschaftlerin, Herausgeberin und hat als Journalistin u. a. für Spiegel Spezial und die FR gearbeitet. Seit 2000 ist sie Redakteurin bei der HAZ.

Eintritt: 12,- / 6,-