Unverkennbar: Hannover!

Autor

Hermann Löns

Hermann Löns

Erkennungszeichen

Zehn Jahre ist er im Ausland gewesen,
Hat nicht gesehen den Leinestrand,
Und als er zurückkam nach Hannover,
Da hat er es fast nicht wiedererkannt.

Das Durchbruchsviertel, die Asphaltstraßen,
Die elektrische Bahn, ihm war alles neu,
Und der vordere Teil der Eilenriede,
Wo war die alte Wüstenei?

Ihm wurde ganz wild und fremd zumute,
Als er das sah, und er dachte dabei,
Es wäre ihm wirklich, als ob das gar nicht
Das alte gute Hannover noch sei.

Da sah er die aufgerissenen Straßen,
Den Grand und die Steine und Loch an Loch,
Und sprach: »Es ist doch mein altes Hannover;
Ich kenne es wieder: sie buddeln noch!«

Anmerkungen

Das Gedicht veröffentlichte Hermann Löns unter seinem Glossen-Pseudonym »Fritz von der Leine« im »Hannoverschen Anzeiger«, und von allem anderen einmal abgesehen, ist das Verblüffendste daran das Erscheinungsjahr: 1900! (Ganz genau gesagt: der 12. August 1900). Das Beruhigende daran: Es gibt Erkennungszeichen, die bleiben ewig.

Quelle

Hermann Löns, Ulenspeigel. Humoristisch, satirische Dichtungen; Bad Pyrmont : Gersbach, o.J., S. 43.