Hermann Löns
Hermann Löns
Hermann Löns

Pseudonym

Fritz von der Leine, Ulenspeigel

* 19.08.1866 in Culm bei Bromberg (Westpreußen)
† 26.09.1914 in der Nähe von Loivre bei Reims

Vita

Hermann Löns wurde in Culm, wo sein Vater (ein gebürtiger Westfale) Gymnasiallehrer war, als ältestes von 14 Kindern geboren und wuchs in Deutsch-Krone/Pommern auf. Schon als Schüler versuchte er sich nicht nur im literarischen Schreiben, sondern widmete sich auch systematischen Naturstudien. Unter anderem veröffentlichte er als Oberprimaner eine Studie über die Schneckenarten des Münsterlandes. Das Abitur, das er erst im zweiten Anlauf bestand, absolvierte er in Münster, wohin der Vater unterdessen versetzt worden war. Private und berufliche Umstürze und Widersprüchlichkeiten durchzogen sein weiteres Leben.

Seine Studentenzeit war durch häufige Wechsel der Fächer und Universitäten gekennzeichnet: Er studierte jeweils einige Semester Philosophie in Münster, Medizin in Greifswald, Zoologie in Göttingen, dann wieder in Münster Mathematik und Naturwissenschaft, bis er 1890 das Studium ohne Abschluß aufgab. Danach lebte er einige Zeit von Aufsätzen und Vorträgen über biologische Themen, bis er zum Journalismus fand. Nachdem er bei zwei Zeitungen schnell wieder entlassen worden war, lebte Hermann Löns zunächst als freier Journalist. Eher zufällig zog er nach Hannover und bekam 1893 eine feste Anstellung als Reporter beim "Hannoverschen Anzeiger". Dort hielt es ihn neun Jahre, zuletzt war er Chef des Lokalteiles und als Glossenschreiber "Fritz von der Leine" stadtbekannt. Nach einigen Intermezzi bei anderen Zeitungen in Hannover wechselte Löns 1902 nach Bückeburg zur "Schaumburg-Lippischen-Landeszeitung", was sich für ihn zum Fiasko entwickelte: Auf seinen Rauswurf folgte ein Nervenzusammenbruch, als Folge daraus zerbrach seine zweite Ehe und er trug sich mit Suizid-Absichten.

Nun vagabundierte Löns durch halb Europa bis er 1912 nach Hannover zurückkehrte. Obwohl er wegen gerichtlicher Pfändungsbeschlüsse unter Druck stand und sich seine Honorare in bar auszahlen ließ, konnte er passabel leben, da sich seine Bücher gut verkaufenten. Eines seiner früheren Bückeburger Hausmädchen wurde seine dritte und letzte Lebensgefährtin.

Seit 1901 veröffentlichte Löns von Zeit zu Zeit Sammelbändchen mit Artikeln, Jagd- und Naturskizzen sowie Gedichten, die er als Redakteur verschiedener Zeitungen verfasst hatte. Ab 1909 publizierte er regelmäßig und entwickelte sich zum Vielschreiber. Romane, Gedichte, Lieder und Tiergeschichten, z.B. die populäre Geschichte vom Heidehasen "Mümmelmann", entstanden in loser Folge. Allein in seinen letzten fünf Lebensjahren erschienen 17 Bücher.

Zeit seines Lebens hatte Hermann Löns Suchtprobleme, die sicher zu seinem unsteten Leben und diversen Nervenkrisen beitrugen. Dokumentiert ist, daß er neben selbstzerstörerischen Alkoholexessen sowohl cholerische, wie manische Phasen durchlitt, in denen er auch Teile seiner Werke zerstörte. 48-jährig, gleich zu Beginn des ersten Weltkrieges, meldete er sich freiwillig. Wenige Wochen später fiel er bei der Schlacht um Reims.

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Hermann Löns literarische Bedeutung ist heute umstritten. Neben romantischen Liedern und realistischen, stimmungsvollen Naturskizzen finden sich auch nationalistische Klänge. Vor allem seine Romane gelten als Vorläufer der "Blut- und Bodenliteratur", die den nationalistischen Rassegedanken propagierte.

Obwohl Löns in seinen satirischen Texten auch kritisch über die "Volkstümelei" schrieb, ermöglichten seine rassistischen oder auch frauenverachtenden Äußerungen seine Vereinnahmung durch entsprechende Kreise. So gab der spätere NS-Funktionär Friedrich Castelle 1923  die erste Löns-Gesamtausgabe heraus. Bald wurde Löns' Kriegstod zum "Heldentod" stilisiert und es setzte ein regelrechter Löns-Kult ein, der von den Nationalsozialisten bis ins Groteske gesteigert wurde. Unter anderem ordenete Hiltler 1934 die Überführung des Skelettes eines deutschen Soldaten, das man in der Nähe von Loivre gefunden hatte, in dem man die sterblichen Überreste Löns´vermutete, nach Fallingbostel an, wo es nach einigem makabren Hin-und Her schließlich mit militärischem Zeremoniell bestattet wurde.

Ohne Zweifel ist Löns ein widersprüchlicher Autor. Das Schwanken zwischen den Extremen, das sein Leben gekennzeichnet hat, spiegelt sich auch im Werk wider. Dennoch war Hermann Löns einer der in Norddeutschland beliebtesten Schriftsteller der 1910er und -20er Jahre. Seit 1921 wurden ihm zahlreiche Denkmale gesetzt. Die Erinnerungs- und Sekundärliteratur zum Dichter und seiner Landschaft ist ebenso zahlreich. Die NS-Propaganda tat ihr Übriges. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er populär, weil man in ihm vor allem den Naturdichter sah oder sehen wollte.

Heute ist Löns' Gesamtwerk nurmehr wenigen bekannt. Geblieben ist die Vorstellung vom unverfänglichen "Heidedichter", der in den 50er Jahren als Sujet für den romantisierenden Heimat-Film interessant war. ("Rot ist die Liebe" von 1956, Romanverfilmung nach Löns' "Das zweite Gesicht", Regie: Karl Hartl, u.a. mit Dieter Borsche und Barbara Rütting.) Einige Heideorte werben noch heute mit der "Marke" Hermann Löns.

Publikationen (Auswahl)

Titel Rubrik Jahr
Ulenspeigel. Humoristisch, satirische Dichtungen o.J.
Ausgewählte Werke 1986

Niedersachsen literarisch

Titel Erwähnte Orte
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