Veranstaltungen

Literaturhaus Hannover
21.03.17 - 19.30 Uhr – Literaturhaus Hannover

Resonanzen: Nora Bossong und Margarete Stokowski

"Sex, Markt und Macht"

Nora Bossong © Peter-Andreas Hassiepen

Margarete Stokowski © privat

Moderation: Martina Sulner

In Rotlicht. Die Lust, der Markt und wir wagt sich Nora Bossong in jene Zone, in der Lust nackte Arbeit ist und Leidenschaften und Kapitalismus frontal aufeinanderprallen. Sie trifft harmlose Studenten bei Dildo-Präsentationen und altersweise Pornoproduzenten und steht am Salat-Buffet eines Swingerclubs. Mit funkelnder Beobachtungsgabe erzählt Bossong von einer Gesellschaft, die das Verruchte immer abwaschbarer gestaltet, und stellt die Frage, warum das Rotlichtmilieu die Wollust nur an den Mann bringen will – nie an die Frau.
 
War es das jetzt mit der sexuellen Revolution? Sind wir liberal, weil mit nackten Brüsten für Baumärkte geworben wird? Mitnichten, findet Margarete Stokowski. In Untenrum frei schreibt sie humorvoll und klug über über die kleinen, schmutzigen Dinge - von der Bravo-Empfehlung an Mädchen, mit Rouge und Lächeln den Schwarm zu erobern, bis zum Problem bei der Benennung der Vagina, von Schönheitsidealen, Haaren und Enthaarung. Und sie spricht über die großen Machtfragen, die Geschlechterrollen, die wir nach wie vor mit viel Aufwand spielen, und die fortwährende Ungleichheit der Geschlechter: "Wir haben die Fesseln des Patriarchats nicht gesprengt, sondern sind mit ihnen shoppen gegangen."

Im Gespräch mit Martina Sulner gehen die beiden Autorinnen der Frage nach, wie gesellschaftsrelevant Sexualität eigentlich ist, welche Rolle Kapitalismus und Markt dabei spielen und was Feminismus heute bedeuten kann.

Nora Bossong, geb. 1982 in Bremen, studierte Philosophie und Komparatistik sowie Literatur am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Für ihre Gedichtbände und Romane (zuletzt Gesellschaft mit beschränkter Haftung und 36,9°) erhielt sie u.a. den Roswitha-Preis 2017. Sie lebt in Berlin.

Margarete Stokowski, geb. 1986, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften in Berlin. Sie schrieb u.a. für die ZEIT, Spex und Missy Magazine. Ab 2012 erschien in der taz ihre Kolumne Luft und Liebe und seit 2015 bei Spiegel Online ihre wöchentliche Kolumne Oben und unten.

Martina Sulner, geb. 1961, hat als Journalistin u.a. für Spiegel Spezial und FR gearbeitet und ist seit 2000 Redakteurin bei der HAZ.


In Zusammenarbeit mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Eintritt: 10,- / 6,-