Timm Ulrichs, Foto: Ansgar Schnurr
Timm Ulrichs, Foto: Ansgar Schnurr
Timm Ulrichs

* 31.03.1940 in Berlin
lebt in Hannover

Vita

Bildender Künstler, Autor, Professor, "Totalkünstler".

Timm Ulrichs studierte Architektur an der TH Hannover (1959–1966), gründete 1961 die "Werbezentrale für Totalkunst" und eröffnete 1969 eine "Kunstpraxis" mit "Sprechstunden nach Vereinbarung" in Hannover, wo er noch heute zu Hause ist. 1972 und 1977 war Ulrichs Documenta-Teilnehmer. 1969 bis 1970 war  er Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, von 1972 bis 2005 als Professor an der Kunstakademie Münster. Seine Werke sind in bedeutenden Privat- und Museumssammlungen sowie im öffentlichen Raum zu sehen. Dazu sind zahlreiche Bücher und Kataloge, z.T. mit eigenen Aufsätzen und Manifesten, erschienen.

Der Aktionsbereich des "Totalkünstlers" (als welchen sich Ulrichs selbst bezeichnet) umfasst neben Performances bzw. Selbstversuchen und Body-art Visuelle Poesie, Land-art, Objets trouvés, Collagen, Annoncen-Aktionen u.a. Ulrichs ideologische Vorläufer finden sich vor allem in der Dada-Bewegung, die gegen den bürgerlich-akademischen Kunstbetrieb revoltierte. Affinitäten bestehen zu Raoul Hausmann und zur "Merz-Kunst" von Kurt Schwitters.

Ulrichs arbeitet interdisziplinär. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem Verhältnis von Mensch und Natur spielt in seinem Werk vor allem die Sprache eine große Rolle. Ulrichs setzt Tautologien, Paradoxien und Mehrdeutigkeiten in der Sprache sowie verbale Begriffe künstlerisch, meist in Form von Plastiken oder Installationen, um. Ein Beispiel hierfür ist "Concrete Poetry" von 1972/73 mit in Beton gegossenen Lettern (engl. concrete = Beton). In seinen medienkritischen Arbeiten thematisiert Ulrichs Sprache als ein Medium unter Medien, das unter die Haut geht: "Sprach-Beherrschung (ist) nicht nur Beherrschung von Sprache, sondern auch und vor allen Dingen Beherrschung durch Sprache, so dass der (...) sprach-geregelte Mensch Wort für Wort und Zeile für Zeile in Reih und Glied einer Gesellschaft gebracht wird, in der ‚alles seine Ordnung’ hat".

Auszeichnungen

  • 1968 Förderpreis für Literatur des Niedersächsischen Kunstpreises
  • 1998 Niedersächsischer Kunstpreis für bildende Kunst
  • 1999 Kunstpreis der Künstler der Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf
  • 2001 Niedersachsenpreis
  • 2003 Kunstpreis der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag
  • 2006 Kunstpreis der Stadt Sinsheim
  • 2009 mfi Preis für Kunst am Bau für sein Projekt Versunkenes Dorf

  u.v.m.

Video

Timm Ulrichs: "Ausstellung in Sofia"

Wenn Kunst zur Sprache wird und Sprache zur Kunst. Timm Ulrichs zeigt seine Werke in Sofia.

19.04.2010
Christo Bakalski
Goethe-Institut in Sofia

Publikationen (Auswahl)

Titel Rubrik Jahr
Betreten der Ausstellung verboten! Werke von 1960-2010 2010
Timm Ulrichs - Die Druckgrafik: Katalog zur Ausstellung im Sprengel Museum Hannover 2004
Artikel 2001
Gehäuse für Denkmäler und Brunnen 2000
Timm Ulrichs macht mobil - Möbel-Skulpturen und -Installationen 1999
Timm Ulrichs - Der detektorische Blick 1997