Kurt Schwitters

Kurt Schwitters 1927
Kurt Schwitters 1927
Kurt Schwitters

* 20.06.1887 in Hannover
† 08.01.1948 in Ambleside / England

Website

Kurt-Schwitters-Archiv und Werkverzeichnis unter www.sprengel-museum.de

Vita

Curt Hermann Eduard Carl Julius Schwitters war das einzige Kind der Geschäftsleute Eduard und Henriette Schwitters. Die Familie betrieb erst ein Damenkonfektionsgeschäft in der Innenstadt Hannovers, später lebte sie von den Einkünften ihrer Immobilien.

Nach dem Schulbesuch in Hannover, studierte Kurt Schwitters an der Kunstgewerbeschule Hannover und an der Akademie der Künste in Dresden. Das Studium bei Carl Bantzer war eher akademisch orientiert, dementsprechend findet sich in Schwitters Frühwerk wenig Einfluss der Moderne. Bei seiner ersten Ausstellungsbeteiligung, 1911 im Kunstverein Hannover, zeigte er naturalistische Arbeiten.

Kurt Schwitters heiratete 1915 Helma Fischer, eine Cousine zweiten Grades und zog mit ihr nach Hannover. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Der ältere, Gerd, starb wenige Monate nach der Geburt. Der zweite Sohn, Ernst Schwitters (1918-1996), arbeitet selber künstlerisch, vor allem als Fotograf.

Im I. Weltkrieg 1917/18 wurde Kurt Schwitters eingezogen. Nach vier Monaten wurde er aus gesundheitlichen Gründen entlassen und zum Ersatzdienst im Eisenwerk Wülfel herangezogen. Unter dem Eindruck des Krieges und der wirtschaftlichen Misere, entwickelte und entdeckte Kurt Schwitters ab 1919 für sich eine neue Kunstform: MERZ. Schwitters fasste unter diesem Begriff seine eigene, von Paradoxien durchzogene Kunstauffassung zusammen. MERZ war jedoch nicht nur eine Kunstauffassung, sondern drückte Schwitters Verhältnis zur Welt aus, seinen Standpunkt, von dem aus er sich als Mensch und Künstler behauptete. Den Begriff MERZ leitete Schwitters spielerisch aus einer seiner Collagen ab, in der er einen Ausriß, auf dem "Commerzbank" stand, verwendet hatte. Sein MERZbau, eine begehbare Collage-Skulptur, entstand im Laufe von etwa 20 Jahren in seinem Haus in Hannover, hauptsächlich in der Wohnung der Eltern. 1932 trat Schwitters in die SPD ein.

In der NS-Zeit wurde sein Werk, wie das so vieler anderer, als sogenannte "entartete Kunst" diffamiert und Schwitters emigrierte 1937 nach Norwegen. Dort arbeitete er weiter und beteiligte sich an internationalen und norwegischen Ausstellungen. Als Norwegen 1940 von den Deutschen besetzt wurde, ging er auf eine mehrmonatige Flucht nach Schottland. Nach seiner Ankunft wurde er dort und in England für 17 Monate interniert. Selbst im Internierungslager war Schwitters künstlerisch tätig und portraitierte u.a. Mithäftlinge. Nach der Entlassung siedelte er sich in London an.

1943 wurde Kurt Schwitters Elternhaus mit dem MERZbau bei dem großen Bombenangriff auf Hannover, der 80% der Stadt in Schutt und Asche legte, zerstört. Im Jahr darauf erlitt Schwitters einen ersten Schlaganfall, der ihn zeitweilig halbseitig lähmte. 1944 starb auch seine Frau Helma in Deutschland an Krebs. Edith Thomas wurde Schwitters zweite Lebensgefährtin. Schwitters letzte Lebensjahre waren zunehmend durch Krankheit gezeichnet, dennoch arbeitete er bis zuletzt. Mit 59 Jahren erlag Kurt Schwitters einem Herzinfarkt.

Schwitters war nicht nur bildender Künstler, Aktions- und Vortragskünstler, Werbegrafiker und Publizist, der auch Theorien und Modelle zu Architektur und Bühnenkunst skizzierte, sondern auch Dichter. Als Lyriker und Schriftsteller hinterließ Kurt Schwitters ein umfangreiches Werk. In seiner Jugend von Expressionisten wie August Stramm beeinflusst, markierte das Jahr 1919 auch für seine literarisches Schaffen den Durchbruch zu einem eigenständigen Stil mit dem Gedicht An Anna Blume. Bekannt wurde auch das groß angelegte Lautgedicht Sonate in Urlauten (oder Ursonate). Von der Ursonate ist auch eine Tonaufzeichnung Schwitters´ erhalten. Mit phonetischen oder typografischen Gedichten versuchte Schwitters, verschiedene Kunstgattungen zu verschmelzen. Seine erzählenden und dramatischen Texte sind experimentierfreudig und oft humoristisch.

Auszeichnungen

Kurt Schwitters Leben und Werk ist ausführlich im Sprengel Museum Hannover dokumentiert und gewürdigt. Dort befindet sich auch das Kurt Schwitters Archiv mit dem Nachlaß des Künstlers und einer Rekonstruktion des MERZbaus sowie die Kurt und Ernst Schwitters Stiftung.

Die Niedersächsische Sparkassenstiftung vergibt alle zwei Jahre Stadt den Kurt-Schwitters-Preis für Bildende Kunst, der 1982 von der Stadt Hannover begründet wurde.

Niedersachsen literarisch

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Vorwärts strebend, und zwar ins Unermeßliche Hannover Details